|
Die Induktion gehört zu den grundlegenden, zugleich aber umstrittensten Methoden wissenschaftlicher Erkenntnis. Wie gelangen wir von einzelnen Beobachtungen zu allgemeinen Aussagen? Unter welchen Bedingungen sind induktive Schlüsse gerechtfertigt? Und welche Rolle spielt Induktion heute noch in den Wissenschaften? Das Seminar widmet sich diesen Fragen aus historischer und systematischer Perspektive. Ausgehend von antiken Ansätzen werden zentrale Positionen der Wissenschafts- und Philosophiegeschichte behandelt, darunter unter anderem Sextus Empiricus, Francis Bacon, David Hume, John Stuart Mill, Albert Einstein und Karl Popper. Dabei werden unterschiedliche Formen induktiven Schließens – etwa enumerative und eliminative Induktion – sowie das klassische Induktionsproblem und seine verschiedenen Lösungsversuche diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Abgrenzung von Induktion und Deduktion sowie auf der Frage nach dem Verhältnis beider Schlussformen. In diesem Zusammenhang werden auch Probleme und Grenzen deduktiver Verfahren thematisiert. Darüber hinaus richtet das Seminar den Blick auf Anwendungs- und Grenzbereiche des Induktionsbegriffs. So wird die mathematische vollständige Induktion in ihrer Eigenart von wissenschaftstheoretischen Formen der Induktion abgegrenzt. Abschließend werden gegenwärtige Entwicklungen aufgegriffen, insbesondere die Bedeutung induktiver Verfahren in den Naturwissenschaften und in der Künstlichen Intelligenz. |
- Lehrende/r: Jens Lemanski