Das Seminar untersucht die Transformation moderner Macht- und Kontrollformen im Horizont Künstlicher Intelligenz. Anstatt KI lediglich als neues technologisches Werkzeug zu betrachten, nehmen wir eine archäologische und genealogische Perspektive ein: Wir fragen nach den historischen Voraussetzungen, Brüchen und Wissensordnungen, die den Weg für heutige digitale Machttypen geebnet haben. Ausgehend von Michel Foucaults Analysen zu Disziplinierung, Biomacht und Gouvernementalität rekonstruieren wir zunächst das Fundament, auf dem digitale Technologien soziale Wirklichkeit erfassen, ordnen und steuern. Darauf aufbauend widmen wir uns der Entstehung einer algorithmischen Gouvernementalität im Kontext moderner KI-Systeme und kybernetischer Steuerungslogiken. Im Zentrum steht die Frage, wie diese Systeme autoritäre Tendenzen hervorbringen bzw. befördern – nicht mehr primär durch sichtbare Verbote, sondern durch die unmerkliche, datenbasierte Sortierung und Normierung des Sozialen. Ziel des Seminars ist es, eine tiefgründige, soziologisch-kritische Perspektive auf die globale Ausbreitung digitaler Regierungstechnologien zu entwickeln und zu hinterfragen, wie sich diese schleichende Verschiebung von Machtstrukturen zu demokratischen Prinzipien verhält.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2026/27