Die Frage, wie ”Vernunft” und ”Religion” bzw. der existenzielle und der intellektuelle „Gottesbezug” zusammengehen, ist so alt wie die Philosophie selbst und sie hat nichts an  Aktualität eingebüßt. Diese überzeitliche Fragestellung kennt in ihren historischen Konkretionen differenzierte systematische Antwortversuche. An ihnen entscheidet sich auch, welchen Begriff von "Vernunft"einerseits und ”Theologie” andererseits haben und entwickeln wir. Die Frage hat also wissenschaftstheoretische Implikationen: wie kann Theologie unter den Prämissen philosophische Möglichkeit und fundamentaltheologischer Relevanz als Reflexion auf Gott und den Gottesbezug des Menschen vernünftig ausgestaltet sein?

Die Vorlesung beginnt mit den Bestimmungen, was sinnvoll unter „Glaube” und „Vernunft” im Kontext der Vorlesung verstanden werden soll. Sie bietet eine Einführung und einen Überblick über die wichtigsten Stationen in der Verhältnisbestimmung von fides (Glaube) und ratio (diskursive Begründung) – von der griechischen Antike (Platon und Aristoteles) ausgehend über die römische Spätantike (Augustinus) ins Mittelalter (Thomas Aquinas und die Aufklärung (insbes. Vernunftkritik bei Kant) um in den Konfliktfeldern der Moderne und der Gegenwart (Subjektphilosophie, Positivismus und Materialismus, Religionskritik) anzukommen. Die ausgewählten Beispiele vermitteln also philosophische Reflexionen und gläubige Positionen, welche die Religionsphilosophie und Theologie als vernünftiges Nachdenken über religiöse Inhalte und Systeme erschließen. Diese Vorgehensweise macht es möglich, die Entwicklung der Fragestellung in einem historisch-systematischen Verlauf nachzuvollziehen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27