„We know more than we can tell” – dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der Theorie des impliziten Wissens (tacit knowledge) des ungarisch-britischen Philosophen Michael Polanyi (1891-1976). Polanyi ist davon überzeugt, dass explizites Wissen, welches wir durch Sprache oder Symbole ausdrücken können, nicht das gesamte menschliche Wissen umfasst. Implizites Wissen ergänzt unseren Wissensbestand nach Polanyi nicht lediglich; vielmehr bildet es die Grundlage allen Wissens. Alles Wissen, selbst hochformalisiertes wissenschaftliches Wissen, lässt sich auf implizites Wissen zurückführen. Für Polanyi hat diese Konzeption des impliziten Wissens nicht nur Auswirkungen auf die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, sondern auch auf anthropologische, ethische und politische Fragen.

Die Frage, ob es neben sprachlich artikulierbarem Wissen auch implizite Formen des Wissens gibt, wird bis heute in der Wissenschaftsphilosophie und den interdisziplinären Kognitionswissenschaften intensiv diskutiert.

Ziel des Blockseminars ist es, ausgehend von Polanyis Theorie ausgewählte Positionen der aktuellen Forschungsdebatte zu beleuchten und kritisch zu diskutieren. Hierbei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Welche strukturellen Merkmale weist implizites Wissen auf? Ist es eine „echte” Form des Wissens? Ist implizites Wissen (prinzipiell) explizierbar?

Der Seminarplan mit Angaben zur Seminarliteratur und zu den Anforderungen an Studien- und Prüfungsleistungen wird in der Vorbesprechung am Dienstag, 12.01.2026 (14 Uhr c.t.) bekannt gegeben.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2026/27