Wer an römische Kunst der Frühen Neuzeit denkt, dem fallen unweigerlich die Namen großer Barockkünstler wie Caravaggio, Bernini oder Carracci ein, deren Genie bis heute das Bild dieser Epoche prägen. Das 18. Jahrhundert wird dahingegen fast stiefmütterlich, allenfalls als Periode des Ausklangs oder gar Verfalls der großen Barockzeit behandelt.

Doch viele der heute bekanntesten Touristenattraktionen wie die Spanische Treppe, der Trevi-Brunnen oder die Villa Borghese wurden im 18. Jahrhundert gebaut, renoviert oder neu dekoriert. Römische wie ausländische Künstler, die es in die Stadt zog, um die Antiken und Kunstwerke aus Renaissance und Barock zu studieren und in den Kunstakademien zu lernen, etablierten eine einzigartige Kunstszene größtmöglicher Diversität und lockten Patrone und Sammler aus ganz Europa in die Ewige Stadt. Der zeitgenössische Kunstmarkt florierte, große Sammlungen wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und Museen eröffnet. Schon damals ein Touristenmagnet, gehörte ein Besuch der europäischen Intellektuellen sowie der Elite und seiner jungen Sprösslinge im Zuge der Grand Tour zum guten Ton. Rom war also nach wie vor Zentrum des europäischen Kunstgeschehens, warum also der verhaltene Blick auf ein wichtiges Kapitel römischer Kunstgeschichte?

Ziel des Seminars ist es, römische Kunst und Architektur im 18. Jahrhundert in all ihren Facetten kennenzulernen. So werden sowohl die großen Bauunternehmungen und Renovierungskampagnen des päpstlichen Hofes in Zeiten zunehmenden Machtverlustes untersucht, als auch der römische Kunstmarkt beleuchtet. Welche Rolle spielten ausländische Patrone und ihrer Auftragskunst, wie positionierten sich die einheimischen Auftraggeber und Künstler? Die Analyse von Fallbeispielen aus Malerei, Skulptur und Architektur soll die Römische Kunst des 18. Jahrhunderts im Kontext ihrer künstlerischen, historischen und medialen Entwicklungen in ihrer zu Unrecht unterschätzten kunsthistorischen Bedeutung sichtbar machen. Nicht zuletzt gilt es die großen Künstler dieses Jahrhunderts in den Fokus zu rücken, allen voran Carlo Maratti, Pompeo Batoni, Paolo Panini, Giovanni Battista Piranesi, Antonio Canova, Anton Raphael Mengs oder Angelika Kaufmann.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026