Auf 50 Studierende begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich!

In der Politik ist er längst zum rhetorischen Mittel geworden, die eigene Position herauszustellen und der als gegnerisch verstandenen Seite Realitätssinn und Handlungsfähigkeit abzusprechen: US-Präsident Donald Trump und seine Vertrauten nutzen das Totschlagargument des „common sense“ besonders häufig, doch auch Vorgängerpräsident Barack Obama bezeichnete etwa seinen Versuch einer Reformierung des Waffengesetzes als „common sense gun reform“. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel bezog sich gern und oft auf den „gesunden Menschenverstand“ als richtungsweisenden Maßstab. Mitglieder der AfD hingegen bringen die Vokabel entschieden gegen eine von ihnen als korrumpiert und korrupt charakterisierte Politik in Stellung und verlangen eine Rückkehr zur von ihnen sogenannten „Normalität“. Das Seminar begibt sich auf eine kritische, ideenhistorische Spurensuche nach den Wurzeln eines Konzeptes, das sehr viel älter und komplexer ist als die derzeitigen Debatten und Werbemaßnahmen vermuten lassen. Schnell zeigt sich dabei die grundlegende Verbindung von Common Sense, Menschenbild und menschlicher Bildung. Denn was sind Bildung und Erziehung, wenn nicht Weiterentwicklung und Verfeinerung des ohnehin vorhandenen, Gesunden Menschenverstandes? Gibt es konträr dazu demnach einen Kranken Verstand? Sind Personen ohne Common Sense lernfähig? Nicht nur in der Politik, auch in der Pädagogik sind die Begriffe von Common Sense und Gesundem Menschenverstand Stichworte, Inspirationen und Kampfbegriffe zur Abgrenzung des Wir und des Anderen.

Das Seminar lädt zur Diskussion und zum Weiterdenken ein. Dabei werden zum Teil auch Texte in Fraktur und auf Englisch gelesen.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein