Das 4. Jahrtausend v. Chr. ist durch ein ganzes Bündel kultureller Innovationen zu kennzeichnen und erweist sich immer deutlicher als entscheidende Etappe der alteuropäischen Kulturgeschichte. Ohne Bevölkerungsbewegungen über weite Entfernungen hinweg und dadurch in Gang gesetzte Kulturkontakte, die insbesondere auch über die Steppenareale nördlich des Schwarzen Meeres nach Westen vermittelt wurden, sind diese Innovationen nicht zu verstehen. Die archäologischen Quellen zeigen allerdings auch, dass gerade das 4. Jahrtausend siedlungsgeschichtlich als „dunkle“ Epoche zu charakterisieren ist, weil in vielen Regionen Südosteuropas und in der Ägäis kaum Hinterlassenschaften überliefert sind. Vielerorts wird dem insofern Rechnung getragen, als die archäologischen Überreste dieser Periode terminologisch - nach dem kupferzeitlichen Besiedlungsmaximum des 5. Jahrtausends - einer „Protobronzezeit“ bzw. auch „Übergangsperiode“ zugewiesen werden. Dem ägäischen Raum kommt während des Frühhelladikums im 3. Jahrtausends v. Chr. insofern besondere Bedeutung zu, als sich durch die Entstehung proto-urbaner Gesellschaften dort (Stichwort „Internationales Zeitalter“) in der Stufe Frühhelladisch 2 (2700-2300 v. Chr.) die Grundlagen frühstaatlicher Organisation zu entwickeln beginnen, die freilich erst im 2. Jahrtausend v. Chr. (Stichworte: Kreta, Mykene) volle Wirkung entfalten. In der Vorlesung wird die kulturelle Entwicklung im Pontikum, auf der Balkanhalbinsel und in der Ägäis für beide Jahrtausende vergleichend dargestellt.
- Lehrende/r: Ralf Gleser