Michel Foucault hätte im Oktober 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert - und er ist eine der größten intellektuellen Herausforderungen für die Theologie. Seine „Spiegelung des Transzendentalen ins Historische" (Andrea Hemminger) macht ihn zu einem nietzscheanischen Erben Kants, dessen philosophischer Denkansatz radikal geschichtlich ist: Die Wahrheit theologischer und anderer Diskurse hat eine Genealogie – und die Geschichte ist die Bedingung ihrer Möglichkeit. Auch christliche Wissensformationen, Machtdispositive und Selbsttechniken sind daher nicht überzeitlich notwendig, sondern vielmehr historisch kontingent, d. h. prinzipiell veränderbar. Zusammen mit Prof. Dr. Michael Schüßler und Studierenden der Universität Tübingen lesen wir bedeutende 'kleine Texte' Foucaults („graue Literatur"): Interviews, Stellungnahmen, Aufsätze, Round-table-Gespräche, Lexikonartikel, deren emanzipatorisch-subversive Kraft angesichts der Sexismen, Rassismen und Klassismen unserer Zeit eine z. T. überraschende Aktualität besitzen. Herzliche Einladung zu einem theologischen Abenteuer!

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein