Religiöse Traditionen sind nicht nur von bestimmten Männlichkeitskonzeptionen geprägt, sondern prägen auch bis heute die Art und Weise, wie Männlichkeit aufgefasst und gelebt wird. In dieser Übung studieren wir gemeinsam Quellen aus jüdischer und christlicher Tradition mit dem Augenmerk darauf, welche Auffassungen von Männlichkeit sich in ihnen äußern und welche Bedeutungspotenziale sich in ihnen erkennen lassen.Dabei werden wir nicht nur autoritative Texte z.B. aus den jüdischen und christlichen Bibeln und rabbinischer Literatur gelesen, sondern auch aktuelle Beispiele für deren Rezeption anhand ausgewählter Sekundärliteratur. Im Vergleich zwischen diesen beiden Textgruppen werden wir fortlaufend analysieren, wie autoritative Texte für bestimmte Männlichkeitsbilder in Anspruch genommen werden und kritisch reflektieren, welche hermeneutischen Vorannahmen diese Lektüren leiten und ob sich auch andere Konzeptionen von Männlichkeiten mit Blick auf diese Texte stützen lassen.

Durch die exegetische Textarbeit erhalten die Studierenden somit Einblicke in die komplexen Wechselwirkungen zwischen religiöser Lehre, gesellschaftlichen Normen und Geschlechtervorstellungen. Dabei wird im besten Fall deutlich, wie sich Männlichkeitsideale im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben und wie sie sich in verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten unterschiedlich manifestieren.

Als Lernziel steht somit die Entwicklung des Bewusstseins für die Konstruiertheit von Geschlechterleitbildern und deren religiöse Legitimationsstrategien. Gleichzeitig erwerben die Studierenden die Fähigkeit, aktuelle Diskussionen über Männlichkeiten und Religion historisch einzuordnen und theologisch fundiert zu bewerten.

Hinweis: Aufgrund personeller Veränderungen kann das Seminar leider nur noch ohne Beteiligung des Zentrums für Islamische Theologie stattfinden. Damit wird thematisch Fokus nicht im ursprünglich geplanten Umfang islamische Traditionen, Texte und Diskurse einschließen können. Der Dozent bemüht sich, durch Einladung einer auswärtigen Lehrperson wenigstens eine Sitzung zu Männlichkeitskonzeptionen in islamischer Tradition anbieten zu können. Näheres wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No