Exegese und Pastoraltheologie folgen in ihrer Beschäftigung mit biblischen Texten unterschiedlichen Diskurslogiken und akademischen Traditionen, wodurch das interdisziplinäre Gespräch mitunter herausfordernd, sicher aber spannend und ertragreich ist (Suchhardt-Kroll 2021). Die Lehrveranstaltung möchte diesem Gespräch einen kritisch reflektierten Raum eröffnen und neue Wege der Kooperation zwischen Exegese und Pastoraltheologie erkunden: am konkreten Material gegenwartskultureller Bibelaneignung von Social Media und Jesus-Serien über Weihesprüche und Fastentücher bis hin zu Lego- und Word-on-Fire-Bibel. Ihren Ausgangspunkt nimmt sie bei bei der Bedeutung von „Praxistheorien” im aktuellen pastoraltheologischen Diskurs. Nach Teresa Schweighofer achtet eine an Praxistheorien orientierte Pastoraltheologie „neben den menschlichen Akteur*innen verstärkt auf die Relevanz materieller Aktanten und das nichtmenschliche Leben. Das primäre Interesse einer solchen Pastoraltheologie gehört den mitunter verwirrenden Praktiken, wie sie sich im pastoralen Feld tagtäglich reproduzieren. Sie gibt den Praktiken, wie sie tatsächlich stattfinden, konsequent den Vorrang vor theoretisch konzipierten und theologisch erwünschten Praxisvorstellungen. Sie expliziert die innere Logik, das unhinterfragte Know-how und die impliziten Theologien pastoraler Praktiken, um diese anschließend im Licht theologischer Traditionenzu reflektieren und gegebenenfalls auch zu kritisieren” (Schweighofer 2023, 138). Dieser Ausrichtung entspricht ein verstärktes Interesse der rezeptionsgeschichtlich geöffneten Bibelwissenschaften an der Materialität der biblischen Textüberlieferung (in Varianz und Pluralität der Manuskripte), an den fortwährenden Herstellungsleistungen zur Etablierung der Grenze zwischen kanonischer und apokrypher Literatur (die sich gegenseitig bedingen) und an den verschiedenen Versionen der „real Bible”, die in unterschiedlichen spirituellen, theologischen und politischen Praktiken vorausgesetzt und geschaffen werden.

Vortreffen am Do, 16. April 26, 19 - 20 Uhr - der Termin findet per Zoom statt und ist verpflichtend für die Kursteilnahme. Die Zusendung des Zoomlinks erfolgt nach Anmeldung rechtzeitig zum Vortreffen (weitere Informationen zur Anmeldung folgen).

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein