Wie gestalten Gesellschaften jeweils das Verhältnis zwischen gesellschaftlichen Teilgruppen, jenen in der Mehrheit und jenen in der Minderheit? Eine der zentralen gesellschaftlich verbreiteten und einflussreichen Unterscheidung liegt in der Unterscheidung zwischen einer Mehrheitsbevölkerung und religiösen, politischen, ethnischen, sexuellen, kulturellen, usw. Minderheiten (Scherr 2018: 323). In dem Seminar geht es vorrangig um das Verhältnis zwischen religiösen Minderheiten und (säkularen oder religiösen) Mehrheiten. Mit den objektiven und subjektiv, aber auch kollektiv empfundenen Unterschieden zwischen Minderheiten und Mehrheiten haben sich in der Geschichte der Soziologie Vertreter unterschiedlicher Theorierichtungen beschäftigt (wie etwa Louis Wirth, Max Weber, Norbert Elias). Aus soziologischer Perspektive ist dabei über das quantitative Verhältnis hinaus relevant, dass eine Minderheit über Merkmale unterschieden wird, die als anders als typisch für eine Mehrheit angesehen werden und dass mit dieser Unterscheidung Machtunterschiede einhergehen. Das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit ist soziologisch betrachtet ein Machtverhältnis, oder, mit Weber gesprochen ein Verhältnis zwischen positiv und negativ privilegierten Gruppen. Allerdings ist dabei empirisch zu entscheiden, welche Gruppen jeweils welche privilegiert werden – es gibt ebenso privilegierte wie benachteiligte Minderheiten. Im ersten Teil des Seminars geht es um eine theoretische Annäherung an ein soziologisches Verständnis von Mehr- und Minderheitsbeziehungen. Im zweiten Teil um empirische Untersuchungen religiöser Dimensionen in unterschiedlichen Konstellationen säkularer, christlicher, muslimischer Mehr- und Minderheiten in Europa. Lernziel ist es, die Relationen zwischen Mehr- und Minderheiten und die Funktion gesellschaftlicher Veränderungsprozesse wie auch Minderheitspositionierungen zu verstehen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein