Die Geschichtsphilosophie als philosophische Disziplin lässt sich zunächst grob in zwei Bereiche unterteilen, die materiale Geschichtsphilosophie einerseits, die formale Geschichtsphilosophie andererseits. Die formale Geschichtsphilosophie verfolgt epistemische und näher wissenschaftsphilosophische Fragen, die sich an die Geschichtswissenschaften richten lassen (z.B. Was ist eine Quelle?; Verfügen die Geschichtswissenschaften über eine eigenständige Methode?; Lassen sich historische »Naturgesetze« entdecken?; Wie können wir etwas über die Vergangenheit überhaupt wissen?). Demgegenüber befasst sich die materiale Geschichtsphilosophie mit dem geschichtlichen Verlauf als solchem. Hat dieser ein (unausweichliches) Ziel? Ist die Geschichte als Ganze als ein (stetiger) Verfall aufzufassen, oder vielmehr als ein sukzessives Fortschreiten zum (normativ gesehen) besseren? Während die materiale Geschichtsphilosophie am Anfang geschichtsphilosophischen Fragens stand, ist sie seit der Professionalisierung der Geschichtsschreibung seit dem 18. Jahrhundert zunehmend in die Kritik geraten. Lässt sie sich überhaupt sinnvoll betreiben? Dem Verhältnis zwischen formaler wie materialer Geschichtsphilosophie und den Geschichtswissenschaften wird das Seminar unter Rückgriff auf zentrale Debattenbeiträge nachgehen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No