Keine Quellengattung ist für die Erforschung von ‚Grundherrschaft‘ in der Region Westfalen während der Vormoderne von so großer Bedeutung wie Urkunden. Doch welche Schlüsselkompetenzen werden benötigt, um selbstständig anhand spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Urkunden historische Fragen untersuchen zu können? Ziel der Übung ist es, (a.) einen grundlegenden Einblick in das westfälische Archivwesen, speziell in die Welt der vom LWL-Archivamt für Westfalen betreuten Adelsarchive zu eröffnen, (b.) diplomatisches Wissen über den Aufbau und die Ausstellungspraxis von Urkunden in Westfalen während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit zu vermitteln, (c.) die Ausbildung paläographischer Grundkompetenzen anzuleiten und (d.) den Umgang mit den lateinischen und mittelniederdeutschen Urkundensprachen zu fördern. Nicht zuletzt soll die Übung durch diese Grundlagen und durch die Begegnung mit Archivalien (e.) Prozesse forschenden Lernens zu einer landesgeschichtlichen Thematik anregen. Die Übungseinheiten und Diskussionen der Lehrveranstaltung und die Projektarbeit geben darüber hinaus Anstoß dazu, (f.) aktuelle Forschungsfragen aufzugreifen und überkommene Konzepte hinsichtlich des Themenkomplexes ‚Grundherrschaft‘ kritisch zu hinterfragen. Anforderungen: Unentschuldigtes Fehlen in der ersten Sitzung führt zum Verlust der Teilnahmeberechtigung. Lateinkenntnisse und Kenntnisse des Mittelniederdeutschen sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung für die Teilnahme an der Übung. Erwartet werden die regelmäßige, aktive Teilnahme und die Erledigung kleinerer Aufgaben, einschließlich Transkriptions- und Übersetzungsübungen. Die zentrale Studienleistung wird in Gestalt einer mehrseitigen schriftlichen Ausarbeitung zu einer Quelle erbracht, bestehend aus Transkription, Übersetzung und Kommentar.
- Lehrende/r: Ernst Christoph Burdich
- Lehrende/r: David Gniffke