Musik ist in vielen Regionen der Welt ein zentraler kultureller Ausdruck und ein bedeutendes Medium gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse. Besonders die spanischsprachige Populärmusik verbindet Klang, Rhythmus und Text auf eine Weise, die weit über ästhetische Aspekte hinausgeht: Songtexte fungieren als Träger von Erinnerung, als Ausdruck individueller und kollektiver Identitäten und als Mittel politischen Protests. Der Kurs widmet sich der Analyse ausgewählter Musikstücke und ihrer Texte aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kontexten. Durch eine kritische Auseinandersetzung mit musikalischen Stilen, lyrischen Strategien und performativen Formen erhalten die Teilnehmenden Einblicke in zentrale soziokulturelle, politische und historische Konflikte der Regionen, aus denen diese Musik hervorgeht. Zugleich werden analytische Werkzeuge vermittelt, um Musik als komplexes kulturelles Archiv zu lesen und zu interpretieren. Anhand ausgewählter Beispiele werden unterschiedliche musikalische Traditionen, Genres und regionale Kontexte untersucht. Ein erster Schwerpunkt liegt auf dem Flamenco als Ausdruck südspanischer gitano-Identitäten mit traditionellen Formen sowie zeitgenössischen Neuinterpretationen dieser Tradition. Aus Lateinamerika werden Rap- und Hip-Hop-Produktionen analysiert, die urbane Populärmusik mit lokalen Stilen verbinden und als hybride Ausdrucksformen häufig als Sprachrohr politischer Kritik und als Medium für die Auseinandersetzung mit Fragen sozialer Ungleichheit, Rassismus und marginalisierter Bürgerrechte fungieren. Ein weiterer thematischer Fokus gilt der Rolle von Musik im Kontext aktueller Protest- und Widerstandsbewegungen, insbesondere im Rahmen der Protestwelle seit 2017 in weiten Teilen Lateinamerikas. Schließlich thematisiert der Kurs die ethnisierten Dimensionen spanischsprachiger Populärmusik: Er fragt danach, wie musikalische Stile, Stimmen, Körper und Narrative entlang von Kategorien wie Ethnizität und Zugehörigkeit konstruiert, verhandelt und politisiert werden. Die Teilnahme an diesem Proseminar erfordert gute Spanischkenntnisse, da der Kurs teilweise in dieser Sprache abgehalten wird. Die Anmeldung erfolgt über HSILSF innerhalb der Belegfrist. Das konkrete Kursprogramm wird ab März im Learnweb verfügbar sein.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein