Die Praxis der Kritik ist ein elementarer Bestandteil eines demokratischen und solidarischen gesellschaftlichen Miteinanders. Sie dient dazu, gesellschaftliche Missstände zu erkennen und zu benennen, sich nicht vorschnell mit einer Situation abzufinden, und verleiht emanzipatorischen politischen Bewegungen ihre Kraft. Aus diesem Grund versuchen auch repressive und autoritäre Strömungen wieder, kritische Gesellschaftstheorie zu unterbinden. Aber was sind die Bedingungen und Möglichkeiten einer kritischen philosophischen Praxis? Wenn wir die sozialen Verhältnisse, Institutionen und menschliches Handeln als falsch oder unangemessen bezeichnen, auf welche Normen und Werte berufen wir uns dann und wodurch erhalten diese Geltung? Die Diskussion dieser Fragen hat innerhalb der Sozialphilosophie (kritischen Theorie) im Laufe ihrer Geschichte ganz unterschiedliche Antworten hervorgebracht und in den letzten Jahren wieder an Fahrt gewonnen. Im Seminar wollen wir uns den unterschiedlichen Formen der Kritik, wie sie in der Sozialphilosophie gegenwärtig diskutiert werden, zuwenden. Folgende Fragen werden wir behandeln: Worin besteht der Unterschied zwischen externer, interner und immanenter Kritik? Was meint Genealogie? Was kann man unter Ideologiekritik verstehen und was bezeichnet Verdinglichung? Das Seminar lebt von einer aktiven Diskussion und setzt die Bereitschaft zur wöchentlichen Lektüre anspruchsvoller Texte voraus, die wir uns in den Sitzungen dann gemeinsam erschließen.
- Lehrende/r: Gesche Jeromin