Digitale Infrastrukturen ermöglichen Bürger:innen, (politische) Inhalte aller Art – in Form von Texten, Bildern oder Videos – kostengünstig, tagesaktuell, ungefiltert und ohne territoriale Begrenzung zu verbreiten und halten entsprechend eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten und Chancen für Aktivist*innen bereit. Dennoch finden sich in wissenschaftlicher Literatur der vergangenen Jahre auch Debatten darum, welche dieser Chancen lediglich als „acadamic wishful thinking“ (Quandt, 2018, S. 37) gelten. Kritik wird häufig im Kontext des sogenannten Slacktivismus laut: Einer niedrigeschwelligen Form von Online-Aktivität wie Liken oder Teilen von Social Media-Beiträgen, der zum Teil wenig Effekt zugesprochen wird. Die Gründe hinter einer (solch niedrigschwelligen) Beteiligung können vielfältig ausfallen und inkludieren umfassend erforschte Motive der Protestpartizipation. Ebenso relevant, wenn auch nicht derart stark erforscht, können – insbesondere in sozialen Medien – jedoch soziale Gratifikations- und Sanktionserwartungen bei (Nicht-)Beteiligung sein; wie beispielsweise soziale Anerkennung (Gratifikationserwartung) oder die Angst, „gecancelt“ zu werden (Sanktionserwartung). Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar der Frage nach dem Zusammenspiel von „klassischen“ Partizipationsmotiven an digitalem Aktivismus und Protest und der Erwartung von Gratifikationen und Sanktionen in Onlineumgebungen. Auf der Grundlage von theoretischen und empirischen Erkenntnissen werden im Rahmen dieses Seminars alle Schritte des empirischen Forschungsprozesses durchlaufen: Angefangen bei der Erarbeitung und Formulierung einer Forschungsfrage und ihrer Relevanzbegründung, über die theoretische Fundierung hinweg bis hin zur empirischen Planung, Umsetzung und Auswertung einer quantitativen Online-Befragung. Zuletzt werden die Ergebnisse in einem Projektbericht dokumentiert, interpretiert und kritisch reflektiert. Studienleistung: aktive Teilnahme, eigenständige Erarbeitung, Zwischenpräsentationen, Abschlusspräsentation Prüfungsleistung: Forschungsbericht (Gruppenarbeit)

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026