Andauernde oder gar steigende ökonomische Ungleichheit ist eine Herausforderung für kapitalistische Demokratien. Ökonomische Ungleichheit kann zu gesellschaftlichen Konflikten, ungleicher politischer Beteiligung, ökonomischer Ineffizienz, einem Rückgang von politischem und gesellschaftlichem Vertrauen und weiteren für eine funktionierende Demokratie essentiellen Voraussetzungen führen. Gleichzeitig zeigt sich, dass in Demokratien mit höherer Ungleichheit die öffentliche Debatte über die Notwendigkeit von Umverteilung weniger ausgeprägt ist. Wieso ist der Umgang mit Ungleichheit über Demokratien hinweg so unterschiedlich? Wir beschäftigen uns in diesem Seminar mit der Frage, wie abseits von individuellen Präferenzen von Wählerinnen und Wähler, das politische System oder die politische Ökonomie den Grad der Umverteilung in Demokratien beeinflussen. Wir werden uns hierfür in diesem Lektürekurs einerseits Texten zur Frage widmen, wieso manche Demokratien mehr und andere weniger umverteilen. Hierfür ist auch die Frage relevant, wie sich das jeweilige Wahlsystem auf die Umverteilung auswirkt. Gleichzeitig prägt auch der Parteienwettbewerb die gesellschaftliche Auseinandersetzung um Ungleichheit bzw. historische politische Konflikte wirken nach. Wir gehen auch der Frage nach, ob weitere Faktoren wie bspw. Religion die Debatte beeinflussen können, wie z. B. Katholizismus. Andere Erklärungsansätze suchen statt im politischen Konflikt nach Erklärungen für einen Konsens, der unterschiedliche Grade der Umverteilung erklären kann und führen geteilte Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern rund um internationalen kapitalistischen Wettbewerb von Staaten und Produktionsmodelle / Growth Regime an. Grundlegende Kenntnisse statistischer Methoden bzw. ein Interesse an der Lektüre quantitativ empirisch arbeitender Literatur sind von Vorteil aber keine notwendige Bedingung für eine erfolgreiche Teilnahme. Die Seminartexte sind in englischer Sprache. Die Studienleistung ist als Referat zu einem Text in der Gruppe unter Berücksichtigung von vorgegebenen Leitfragen zu erstellen. Die Prüfungsleistung ist nach Maßgabe der PO zu einer vorgegebenen Essayfrage als Hausarbeit anzufertigen. Die Einführungssitzung findet online via Zoom statt. Das Seminar findet als Blockseminar an einem Tag verteilt auf drei Wochenende statt. Literaturempfehlung: Iversen, T., & Soskice, D. (2006). Electoral institutions and the politics of coalitions: Why some democracies redistribute more than others. American political science review, 100(2), 165-181.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein