Im Norden Polens erstreckt sich eine Region rund um die Großstadt Danzig, die seit dem Mittelalter abwechselnd unter deutscher und polnischer Herrschaft stand. Seither leben hier auch Jüdinnen und Juden. Sie mussten sich stets an die unbeständigen rechtlichen, sozialen und ökonomischen Bedingungen anpassen. Die Blütezeit des jüdischen Lebens begann mit der Emanzipation im 19. Jahrhundert. 1914 existierten in der damaligen Provinz Westpreußen weit über 50 jüdische Gemeinden, die jedoch spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges ausgelöscht wurden. Heute gibt es nur noch in Danzig eine kleine jüdische Gemeinde. In der Übung befassen wir uns mit verschiedenen Quellen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die über das mannigfaltige jüdische Leben und die Entwicklung der christlich-jüdischen Beziehungen in der Region an der unteren Weichsel Auskunft geben. Hierzu zählen historische Fotografien und Dokumente wie Gemeinde- und Vereinszeitungen, Tagebücher und Autobiografien. Im Zusammenhang damit werden wir auch über museale Vermittlungsformate diskutieren. Die Übung findet in Kooperation mit dem Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf statt, das ab Herbst 2026 eine Sonderausstellung zu jüdischem Leben in Westpreußen zeigen wird. In diese Ausstellung werden die Ergebnisse der Übung Eingang finden. Eine Exkursion zum Museum ist daher Teil des Semesterprogramms.
- Lehrende/r: Kerstin Dembsky