Im frühen 21. Jahrhundert leben wir in einer Epoche, in der vor allem über die sozialen Medien verbreitete Polemik und ‚Hassrede‘ ein gewichtiger Anteil an einem vergifteten politischen Klima und an der Spaltung von Gesellschaften zugesprochen wird. Ein ganz neues Phänomen ist das allerdings nicht. Auch im 16. und 17. Jahrhundert war das sogenannte Konfessionelle Zeitalter nicht nur von religiöser Spaltung und den damit einhergehenden theologischen Konflikten, von Kriegen, religiös motivierten Massakern und Attentaten und offenen kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Die Auseinandersetzungen in dieser Zeit wurden auch von Unmengen aggressiv polemischer und offen propagandistischer gedruckter Flugschriften begleitet. Ereignisse wie Bartholomäusnacht von 1572, der Justizmord an Wallenstein 1634 oder Skandale wie die fragwürdige ‚Zweitehe‘ des Landgrafen Philipp von Hessen wurden so zu breit rezipierten, von extremer Rhetorik und Zuspitzung geprägten Medienereignissen. Anhand solcher polemischen Schriften gibt die Übung einen Überblick über eine zentrale Quellengattung der Frühen Neuzeit. In der Übung werden wir und damit befassen, mit welchen rhetorischen Mitteln in diesen Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts die Gegenseite diffamiert, politische Gegner herabgesetzt oder lächerlich gemacht wurden. Wie wurden Formen von Massengewalt angeklagt, oder auch gerechtfertigt? Wie bauten Propagandaschriften des Dreißigjährigen Krieges, religiöse oder ‚nationale‘ Feindbilder auf? Darüber hinaus wollen wir uns in der Übung auch damit beschäftigen, wer solche Schriften in Auftrag gab, und wer sie produzierte und in Zirkulation brachte. Wer las solche Flugschriften? Welche Wirkungen entfalteten sie? Und mit welchen Mitteln versuchte man gegebenenfalls das hitzige Klima der Polemik, zu dem sie beitrugen, abzukühlen? Die Übung wird vom 26.5. bis zum 28.5.2026 im Blockformat stattfinden. Am 10.4.2026 findet eine Vorbesprechung statt, bei der Themen vorgestellt und Präsentationen verteilt werden. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme ist die Bereitschaft zur sorgfältigen Vorbereitung der einzelnen Sitzungen durch regelmäßige Textlektüre und die Übernahme einer Präsentation. Für den Erwerb von drei oder Leistungspunkten beachten Sie bitte die Regelungen ihrer jeweiligen Studienordnung.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein