Lesesozialisation und literarische Sozialisation sind zentrale Bezugsgrößen literaturdidaktischer Theorie und schulischer Praxis. Das Seminar führt in grundlegende Modelle und Forschungsergebnisse ein, die erklären, wie Lesehaltungen, literarische Kompetenzen und Zugänge zu Texten entstehen – und warum sie keineswegs selbstverständlich sind. Ausgehend von der Einsicht, dass Lesen nicht „automatisch“ erfolgt, sondern in sozialen, kulturellen und institutionellen Kontexten geprägt wird, setzt sich das Seminar mit individuellen und kollektiven Bedingungen literarischer Sozialisation auseinander. Neben der Auseinandersetzung mit einschlägigen theoretischen Positionen und empirischen Befunden steht die reflektierte Analyse eigener Leseerfahrungen im Zentrum. Diese werden nicht als private Erinnerung, sondern als didaktisch relevante Fallbeispiele verstanden. Anhand von Textarbeit, Diskussionen und ausgewählten schulischen Szenarien wird gemeinsam erarbeitet, welche Konsequenzen unterschiedliche Sozialisationsverläufe für den Literaturunterricht haben. Ziel ist es, zukünftige Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren, Heterogenität im Umgang mit Literatur wahrzunehmen, einzuordnen und professionell zu berücksichtigen. Das Seminar richtet sich an Studierende im Bachelorstudium und verbindet grundlegende literaturdidaktische Fragestellungen mit einer praxisnahen Perspektive auf schulisches Lesen und literarisches Lernen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein