Diversitätsdiskurse beziehen sich gemäß ihrem Konstitutionsprinzip auf die Thematisierung von Differenzen. Ethnische, religiöse und geschlechtsbezogene Differenzen, die meist die primäre Grundlage für Differenzartikulation bilden, werden inzwischen mit der sozialen Differenz verknüpft, um die Kumulationen von Ungleichheiten (Intersektionalismus) sichtbar zu machen. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern das Identitätsdenken, das die für die Diversitätsdiskurse grundlegenden dekonstruktivistischen Ansätze ursprünglich in Frage stellten, das Diversitätsbewusstsein bestimmt. Auf welche Weise verhält sich Diversität zur Differenz als solcher, die jede Identität im Grunde genommen daran hindert, sich abzuschließen, und damit überhaupt die Möglichkeit schafft, sich auch gegenüber der eigenen Identität auf Distanz zu setzen? Schließlich war dies genau das Anliegen diskursanalytischer und dekonstruktivistischer Arbeit, nämlich jede Identität zu beunruhigen, indem man zeigte, wie fragil die Identitäten in ihrem Kern sind. Wie kann Diversität mit dem Konzept der radikalen Differenz verknüpft werden, welche praktischen Konsequenzen ergeben sich für eine Politik der Diversität, die auf Solidarität setzt, die nur über Identitätsgrenzen hinweg eine reale Chance erhält?

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026