„Weil die Päpste die Reformbeschlüsse der Konzilien von Konstanz und Basel torpediert haben, bekamen sie als Quittung die Reformation und mussten in der Gegenreformation meist vergeblich darum kämpfen, verlorenes Terrain für die katholische Kirche wiederzugewinnen.“ Der Modulkurs, der den Zeitraum vom Avignoneser Exil der Päpste (1303) bis zum Konzil von Trient (1562) abdeckt, setzt sich kritisch mit dieser Hypothese auseinander. Dabei steht der Begriff der reformatio, der im Deutschen Reform und Reformation gleicherweise bedeutet, im Mittelpunkt des Interesses. Die Kirchengeschichte bietet zahlreiche historische alternative Modelle für angeblich ewige katholische Wahrheiten, die heute als Anknüpfungspunkte für eine dringend notwendige Kirchenreform dienen können. Die aus der Reformation oder besser: den Reformationen hervorgegangene Kirchenspaltung dauert bis heute fort. Eine genaue Kenntnis der Reformationsgeschichte ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgversprechenden ökumenischen Verständigungsprozess, der zurzeit ebenfalls zu stagnieren scheint und in manchem wieder gegenreformatorische Züge annimmt.
- Lehrende/r: Walter Huber