1777 erschien Maximilian Klingers Drama Sturm und Drang – es gab der lautesten Phase der Aufklärung ihren Namen. Die Jungen Wilden, darunter auch Goethe, Schiller, Lenz und Herder, lasen Shakespeare, Rousseau und Klopstock, sie schrieben Balladen, Dramen, Romane und sprachphilosophische Abhandlungen, sie entwarfen sich selbst und ihre Figuren als Genies, ent-fesselten die Sprache und kalkulierten den Skandal. Als der Sturm fast vorüber war, wurden die Texte reflektierter, genauer. Schiller schreibt 1784 sein Drama Kabale und Liebe und rechnet da-rin präzise mit dem Absolutismus, aber auch mit männlicher Ich-Besessenheit ab, die ein paar Jahre zuvor in der Literatur noch gefeiert worden war. Am Mannheimer Nationaltheater tritt Iff-land 1784 mit Verbrechen aus Ehrsucht gegen Kabale und Liebe an – und gewinnt. Als Bühnen-star hatte er das Publikum ohnehin auf seiner Seite. Seine Stücke wurden gelobt als wirklich-keitsnah, natürlich, mit viel psychologischer Menschenmalerei. Mit solchen ‚Rührstücken‘ flutete Iffland danach erfolgreich den Markt, er wusste genau, was die Bürger*innen auf der Bühne sehen wollten – möglichst schmerzfrei sich selbst. Bereits 1776 schreibt Wagner sein Drama Die Kindermörderin. Ganz und gar nicht schmerzfrei führt er dem Publikum die Auswirkungen der Ständetrennung und die Situation von Frauen vor Augen. Rigoros thematisiert das Drama das große Problem des Kindermordes im 18. Jahrhundert und dessen harte Bestrafung. Im Seminar wollen wir die genannten Dramen von Schiller, Iffland und Wagner lesen und dabei Dramentheorie und Analyseverfahren vertiefen. Außerdem wird das Schreiben der Hausarbeit intensiv vorbereitet.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein