Sprachliche Strukturen und sprachliches Handeln sind oftmals Gegenstand öffentlicher Bewertung. Wird etwa der Gebrauch des Apostrophs bei Eigennamen als ‚Deppen-Apostroph‘ bezeichnet, multilinguales Codeswitching mit ‚Halbsprachlichkeit‘ assoziiert oder die Verwendung von „und…joa“ in WhatsApp-Sprachnachrichten als ‚Gedankenmüll‘ bezeichnet, so wird Sprache Bezugspunkt sozialer Positionierung. Solche Praktiken des (bewertenden) Sprechens über Sprache sind von hoher Relevanz im alltagssprachlichen Handeln im Kontext Schule: Deutsch-Lehrkräfte treffen im Unterrichtsgeschehen auf verschiedene metapragmatische Überzeugungen ihrer Schülerinnen und Schüler; auch ihr eigenes professionelles Handeln ist durch Auffassungen über sprachliche Richtigkeit oder Angemessenheit geprägt. In dem Seminar befassen wir uns mit einem metapragmatischen Zugang auf sprachliches Handeln, wie er im öffentlichen Urteil über verschiedene Sprachgebrauchspraktiken zum Ausdruck kommt. Im ersten Teil des Seminars erarbeiten wir grundlegende Fragestellungen der soziolinguistischen Spracheinstellungsforschung und der linguistischen Anthropologie. Im zweiten Teil untersuchen wir anhand verschiedener Gegenstandsbereiche (u.a. Dialekt/Standard, Mehrsprachigkeit, gesprochene Sprache, Rechtschreibkompetenz und Interpunktionspraktiken in digitaler Kommunikation), welche Topoi der sprachbezogenen Positionierung im öffentlichen Diskurs auftreten. Dabei kontrastieren wir die Ergebnisse jeweils mit Befunden aus der aktuellen linguistischen Forschung.

Linguistic structures and linguistic actions are often the subject of public judgment. If, for example, the use of the apostrophe in proper names is referred to as the 'idiot apostrophe', multilingual code-switching is associated with 'semi-lingualism' or the use of “und...joa” in WhatsApp voice messages is described as 'thought garbage', language becomes a point of reference for social positioning. Such practices of (evaluative) speaking about language are highly relevant in the school context: In the classroom, German teachers encounter various metapragmatic beliefs of their students; their own professional conduct is shaped by perceptions of linguistic correctness or appropriateness. In this seminar, we will deal with a metapragmatic approach to linguistic action as expressed in the public discourse about language use. In the first part of the seminar, we access fundamental questions of sociolinguistic language attitude research and linguistic anthropology. In the second part, we focus on various subject areas (including dialect/standard, multilingualism, spoken language, spelling competence and punctuation practices in digital communication) to examine which topoi of language-related positioning occur in public discourse and we contrast the results with findings from current research.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein