Bier war im spätmittelalterlichen Westfalen, sowie im Großteil Nord- und Mitteleuropas, weniger ein Genuss- und Rauschmittel als ein alltägliches Grundnahrungsmittel. Da fermentierter Gerstensaft bekanntlich wenig Geschmack hat, wurden weitere Zutaten zur Würze hinzugefügt. Dabei hatte die Alleinherrschaft des Hopfens im Mittelalter noch nicht begonnen: In Westfalen wurde die gängige Kräutermischung zur Bierwürzung Grut genannt. Sie bestand hauptsächlich aus Gagel, einem Moorstrauch. In Münster und vielen anderen Städten durfte nur Grutbier hergestellt werden und die Stadt hatte im 14. und 15. Jahrhundert das Monopol auf den Grutverkauf. Grut war dementsprechend ein wichtiger politischer, wirtschaftlicher und fiskalischer Faktor für Münster. Allerdings verlor Grutbier überall zugunsten neuer Hopfenbiersorten an Beliebtheit, sodass der Grutzwang im Laufe des 16. Jahrhunderts aufgehoben wurde. Die Tradition des Grutbieres ist dabei fast komplett verloren gegangen. Wir wollen uns auf die Spuren des verlorenen Geschmacks des Grutbieres begeben. Die Münsteraner Grutamtsrechnungen aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie andere Dokumente des Stadtarchivs nicht nur Hinweise zu den Zutaten des Grutbieres, sondern auch Hinweise zur Rolle des Bieres als Macht- und Wirtschaftsfaktor in der Region in einer Zeit des Systemwechsels. Wir wollen aber auch verstehen, wie Bier damals konkret gebraut wurde. Zu diesem Zweck besuchen wir einen Brau-Workshop des Münsteraner Brauers Philipp Overberg, der seit zehn Jahren Grutbier braut. Für diese Exkursion sollen zu Beginn des Kurses 15 € bezahlt werden.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein