Bernard Williams war einer der einflussreichsten Moralphilosophen des 20. Jahrhunderts, obwohl oder gerade weil er keine systematisch geschlossene Theorie entworfen hat. Er war ein Kritiker sowohl der kantischen Moralphilosophie wie auch des Utilitarismus und nicht zuletzt auch der Zunft der Ethiker überhaupt, deren Tun er zum größten Teil langweilig und nichtssagend fand, da es den Kontakt zu den eigentlichen Werten und Wünschen der Menschen verloren habe. Die Ethik, so sein Plädoyer, sollte sich auf die sokratische Frage zurückbesinnen, die an ihrem Anfang stand: „Wie sollte man leben?“ Williams hat in seinen Texten nicht nur über grundsätzliche moralische Begriffe und Fragen nachgedacht, sondern praktischerweise selbst eine Einführung in die Ethik verfasst (dt. „Der Begriff der Moral: Eine Einführung in die Ethik“, im englischen Original 1972 erschienen). Dieser lange Essay wird der hauptsächliche Gegenstand des Seminars sein; je nach Ihren Interessen können wir ergänzend noch weitere jüngere Beiträge von Williams heranziehen. Daneben haben Sie auch Gelegenheit, in Auseinandersetzung mit Williams’ Text über moralische Fragen zu reflektieren, die sich Ihnen persönlich stellen – ganz im Einklang mit Williams’ Auffassung, dass authentische moralische Überlegungen grundsätzlich in der ersten Person Singular stattfinden.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026