In seinem "Willehalm" stellt Wolfram von Eschenbach Fragen, deren Bedeutung sich in den letzten 800 Jahren nicht verringert hat: Gibt es einen gerechten Krieg? Wie lassen sich Konflikte in essentiellen menschlichen Bindungen - in Familie, Partnerschaft, Gesellschaft und Religion verhandeln? Was bedeutet es, den Gegner auch als Mensch zu sehen? Die Aktualität des Werkes liegt nicht nur in der Behandlung dieser Themen, sondern auch darin, dass Autor und Text einfache Antworten verweigern. Die Offenheit wird durch die fragmentarische Form des Werkes verstärkt, das mitten in der zweiten großen Schlacht zwischen den Christen und den "Anderen" abbricht. Diese Textsituation hat der Beliebtheit des "Willehalm" im Mittelalter keinen Abbruch getan und eine außergewöhnlich große Zahl der insgesamt hohen Zahl erhaltener Handschriften ist reich ausgestattet und illuminiert. Im Seminar wird ein Schwerpunkt darauf liegen, diese historischen Überlieferungsszeugen für die kulturwissenschaftliche und narratologische Arbeit am Text fruchtbar zu machen.
- Lehrende/r: Rabea Kohnen