In diesem Seminar geht es um Dichterwettstreite als Laboratorien der Oralität: Wo Sprache öffentlich aufeinandertrifft, wird aus Rede Handlung, aus Urteil Regel. Von der Sage vom Wartburgkrieg über Kleists Gerichts- und Inserentenrhetorik im „Zerbrochnen Krug“ bis zu den jährlichen Treffen der Gruppe 47, Literaturpreis-Inszenierungen und Poetry Slams verfolgen wir Formen kompetitiver Rede in wechselnden Medien. Wir hören gemeinsam Aufnahmen, rekonstruieren situative Rahmungen und diskutieren die sozialen und ästhetischen Funktionen von Streit, Rang und Publikum. Wir analysieren, wie Wettbewerb sprachlich hergestellt wird (Stimme, Rhythmus, Strategien der Überbietung), nach welchen Kriterien man Dichterrede bewertet und wie dabei Sprache selbst objektiviert wird. So wird sichtbar, wie Oralität kulturelles Wissen tradieren kann und welche Rollen Zuhören, Gesprächssteuerung und Bewertung im Unterricht spielen. Neben der textnahen Analyse üben wir Klassifikationen mündlicher Kommunikationsformen, reflektieren eigenes Sprechen und Zuhören und erproben didaktische Perspektiven: Welche Aufgaben, Kriterienraster und Feedbackformen eignen sich, um mündliche Leistungen von Grundschüler*innen vergleichend zu beurteilen und gezielt zu fördern?
- Lehrende/r: Christian Vincent Strunk