Sprachen sind sowohl Objekt als auch Werkzeug von Politik. In der Vorlesung beleuchten wir beide Beziehungen mit einem besonderen Fokus auf dem slavischen Sprachraum. Anfänglich verschaffen wir uns einen Überblick über die Rolle von Sprache als politischem Werkzeug. Wie wird Sprache im politischen Diskurs genutzt und wie hat sich das über die Jahrhunderte und insbesondere die vergangenen Jahrzehnte verändert? Welche Besonderheiten weist Propagandasprache auf? Wir vergleichen den sowjetischen Newspeak mit der gegenwärtigen russischen Propaganda, betrachten aber auch manipulative Sprachverwendung in anderen Ländern wie Polen und der Ukraine. Im zweiten Teil der Vorlesung steht Sprache als Gegenstand von Politik im Fokus, und zwar zunächst aus der Perspektive der so genannten sprachpolitischen „Korpusplanung“: In welchen Bereichen und auf welche Weise versucht Politik, Sprachentwicklung und Sprachverwendung zu steuern und auf bestimmte Normen hinzuarbeiten? Dies werden uns wir exemplarisch am Thema Gender anschauen. Im dritten Teil widmen wir uns schließlich der sprachenpolitischen „Statusplanung“, die sich damit beschäftigt, welchen Status sprachliche Varietäten in einem politischen Gebilde (meist einem Staat) haben bzw. haben sollen. Hier blicken wir sowohl auf die Geschichte der verschiedenen ost-, west und südslavischen Sprachen, als auch auf die gegenwärtige Situation. Wir analysieren die Sprachenpolitik des russischen Zarenreichs, der Sowjetunion sowie der Russischen Föderation, insbesondere im Hinblick auf Minoritätensprachen, und die Rolle des Russischen und Ukrainischen bzw. Belarussischen in der Ukraine und Belarus heute. Im südslavischen Raum nehmen wir die sprachlich sehr dynamische Situation auf dem Balkan (Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Serbisch) in den Blick, und im westslavischen Bereich betrachten wir einerseits mit einem historischen Fokus die Entwicklung des Polnischen und Tschechischen in der Jahrhunderte währenden Auseinandersetzung mit dem Lateinischen und Deutschen (sowie einiger weiterer Sprachen), und andererseits das Ober- und Niedersorbische in Ostdeutschland, die als autochthone Minderheitensprachen Gegenstand der bundesdeutschen Sprachenpolitik sind.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein