Soziologische Konzepte und Gegenwartsdiagnosen wie Modernisierung, moderne Gesellschaft, Moderne oder Modernen, so Wolfgang Knöbl im Jahr 2012, liefen stets Gefahr, mehr theoretische Probleme zu erzeugen als zu lösen. Denn es handle sich um „essentially contested concepts“ (W.B. Gallie) beziehungsweise um „Kampfbegriffe“. Gleichwohl bleibt die „theoriebedürftige“ (Reinhart Koselleck) Geschichtswissenschaft auf diese Gegenwartsdiagnosen angewiesen, denn die Nachbardisziplin prägt unseren Blick auf gesellschaftliche Makroprozesse, sprich: auf strukturellen Wandel. Zudem bedürfen wir als Historiker:innen der Angebote aus der Soziologie, um uns in jener Gegenwart zu orientieren, von der aus wir unsere Fragen an die Vergangenheit richten. Bis zu seiner Revision durch ‚postmoderne‘ Theoretiker:innen und seiner Verdrängung durch die Globalisierungstheorie bildete das (umstrittene) Konzept der Moderne das Paradigma, an dem sich Historiker:innen abarbeiteten. Das Seminar widmet sich unterschiedlichen von Max Weber über Zygmunt Bauman bis Andreas Reckwitz reichenden Modernetheorien sowie den Makroprozessen der Rationalisierung, Säkularisierung, funktionalen Differenzierung oder Singularisierung etwa und fragt, was aus ihnen geworden, vor allem aber, was an ihre Stelle getreten ist.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein