Die Demokratie steckt derzeit in der Krise. Obwohl Krisenerzählungen seit der Antike ein mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederkehrendes Motiv der politischen Philosophie sind, scheinen sich die meisten Beobachter:innen einig zu sein, dass derzeit tatsächlich etwas grundsätzlich im Argen ist. Während jedoch große Einigkeit darüber herrscht, dass die Demokratie aktuell in einer Krise ist, wird die Frage, worin diese Krise genau besteht, wesentlich kontroverser diskutiert. Sicher, ihre Symptome sind gut sichtbar: Trumps Wahl zum Präsidenten der USA, der Brexit, das globale Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen und die allenthalben diagnostizierte zunehmende gesellschaftliche Polarisierung sowie das sinkende Vertrauen in demokratische Institutionen sind schwer zu leugnen. Doch worin eigentlich die (grundsätzlichen) strukturellen, wirtschaftlichen, sozialen und/oder kulturellen Ursachen dieser Krisensymptome liegen, darüber herrscht viel weniger Klarheit. Hat die Krise der Demokratie letztendlich sozioökonomische Gründe? Oder ist sie auf eine mangelnde Responsivität demokratischer Institutionen zurückzuführen? Sind die Krisenerscheinungen, die wir aktuell allerorts beobachten, gar in unserer Regierungs- und Lebensform selbst angelegt? Wie viel Polarisierung und Konflikt sind vielleicht normale, ja notwendige Erscheinungen der liberalen Demokratie? Mit diesen und anderen Fragen wollen wir uns im Seminar beschäftigen. Das Seminar gibt einen ersten Ein- und Überblick über aktuelle Krisendiagnosen der Demokratie. Der Einblick wird eher in die Tiefe als in die Breite gehen. Dafür werden wir uns vier exemplarische Neuerscheinungen aus dem Genre der Krisenliteratur der vergangenen Jahre genauer ansehen. Teilnahmevoraussetzungen In diesem Seminar lesen wir Auszüge aus vier Büchern, die methodisch am ehesten der politischen oder soziologischen Theorie zuzuordnen sind. Vorkenntnisse in politischer Theorie sind hilfreich, aber ausdrücklich keine Voraussetzung. Auch Theorieanfänger:innen sind herzlich willkommen! Unabdingbare Voraussetzung ist jedoch die Bereitschaft zur intensiven und regelmäßigen Lektüre komplexer theoretischer Texte (sowie ein Mindestmaß an Ausdauer diesbezüglich). Das Bachelorseminar findet ohne digitale Hilfsmittel statt, d.h. wir arbeiten mit Stift und Papier und die Verwendung von Laptops, Tablets und Smartphones ist nicht möglich. Zur Einführung empfohlen Przeworski, Adam (2021): Krisen der Demokratie. Suhrkamp: Berlin.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No