Nachdem sich der Rauch etwas gelegt hat, der im Zuge des vor fünf Jahren entbrannten „Historikerstreits 2.0“ aufkam, scheint es sinnvoll, der Frage nachzugehen, wie denn die NS- und Holocaust-Forschung von der new imperial history profitieren könnte und vice versa. Das Seminar macht zunächst mit neueren Ansätzen der imperial history bekannt und sucht daraufhin, diese Perspektive auf das nationalsozialistische Besatzungs- und Terrorregime zu richten. Es blickt auf diachrone wie transimperiale Wissenstransfers, Konkurrenzen, Kooperationen und Akteure; fragt nach kolonialer Infrastruktur und danach, was es etwa mit der löwenzahnähnlichen Kautschukpflanze Taraxacum Kok Saghys auf sich hat. Vor allem aber diskutieren wir, ob, und wenn ja, wie sich unser Blick auf die Ermordung der europäischen Juden und Jüdinnen wie auf weitere während der deutschen Besatzung verübte Verbrechen wandelt, wenn wir das nur kurz währende nationalsozialistische Imperium in die längere Geschichte kolonialer Herrschaft einordnen. Der Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen schiebt das Seminar durch vertieftes Wissen einen Riegel vor und zeigt auf, weshalb man vergleichen kann und sollte, ohne gleichzusetzen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No