Das Seminar führt in zentrale Problemstellungen der Moralphilosophie anhand von William K. Frankenas klassischem Lehrbuch Ethik. Eine analytische Einführung ein. Im Mittelpunkt stehen Grundbegriffe der Moral, unterschiedliche Typen normativer Urteile sowie die systematische Unterscheidung zwischen normativer Ethik und Metaethik. Wir diskutieren zentrale ethische Theorien – von egoistischen, deontologischen und teleologischen Ansätzen über Utilitarismus und Gerechtigkeit bis hin zu Theorien moralischer Werte, Tugenden, Verantwortung und des guten Lebens. Abschließend wenden wir uns Fragen der Rechtfertigung moralischer Urteile, metaethischen Positionen wie Naturalismus, Intuitionismus und Nonkognitivismus sowie klassischen Debatten über Relativismus und die Frage „Warum moralisch sein?“ zu. Ein besonderer Akzent liegt auf Frankenas Verständnis von „analytisch“. Gemeint ist kein historisches Label, sondern eine methodische Haltung: Analytisch ist für Frankena jenes Denken, das moralische Begriffe klärt, Argumentstrukturen freilegt und die Rechtfertigungsformen moralischer Urteile untersucht. Es geht darum, begriffliche Unschärfen zu vermeiden, die logische Gestalt moralischer Aussagen transparent zu machen und zwischen verschiedenen Ebenen des moralischen Diskurses – faktischer Beschreibung, normativer Begründung und metaethischer Analyse – sauber zu unterscheiden. Analytisch zu arbeiten heißt damit, Argumente zu explizieren, voraussetzungsreiches Alltagswissen zurückzunehmen und moralische Fragen mit begrifflicher Präzision und methodischer Selbstreflexion zu behandeln.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No