Das heutige Georgien steht an einem Scheideweg. Entweder es folgt Präsident Putins Druck hin zu einem autoritären, nach Russland orientierten Regierungskurs oder die überwiegend proeuropäisch eingestellte Gesellschaft kann sich durchsetzen. Georgien ist damit erneut wie über weite Strecken seiner Geschichte Schauplatz eines geopolitischen Ringens, das in den Jahrhunderten zuvor von Arabern, Seldschuken, Mongolen, Osmanen, Persern und dem Zarenreich ausging. Das Hauptseminar nähert sich dieser Geschichte anhand seiner bis heute wichtigsten Identitätsinstanz – der Georgisch-Orthodoxen Kirche. Es spürt ihr auf als Trägerin von Schriftkultur, kollektiver Erinnerung, politischer Legitimation und nationaler Symbolik. In Zeiten fehlender staatlicher Souveränität wirkte sie als Ersatzinstitution nationaler Kontinuität. Zugleich aber stand sie im Zarenreich seit 1801 mit der Russisch-Orthodoxen Kirche ebenfalls einer christlichen Kirche gegenüber. Inwieweit konnte sie hier noch nationsbildend wirken? Wie ging die atheistisch gesinnte Sowjetunion mit dem christlichen Erbe Georgiens um, allen voran der Georgier Josef Dschugaschwili, genannt Stalin? Welche Rolle kommt ihr heute zu, wenn sie mit konservativen Positionen zu den Themen Familien, Geschlechterrollen und Bildung oft im Gegensatz zu liberal und säkular ausgerichteten georgischen EU-Anhängern steht? Im Seminar werden anhand der georgischen Geschichte Grundfragen der Sakralisierung von Nation und der Nationalisierung von Religion diskutiert. Zur 1. Seminarsitzung sind die folgenden zwei Videos anzusehen (1.: ca. 30 min. (überspringbar ab Minute 18 min. – Minute 23.30; 2.: ca. 23 min.): 1. NZZ „Georgien Mythen und Moderne“ vom 07.12.2017 https://www.youtube.com/watch?v=ntQdoKwgq3A 2. Arte Reportage vom 17.03.2025 https://www.youtube.com/watch?v=XEe_FGDcCH4&t=35s Studienleistung: Regelmäßige Teilnahme (max. 2x Fehlen), wöchentliche Lektüre, eigenständige Stundengestaltung mit Kurzpräsentation und angeleiteter Quellenanalyse Prüfungsleistung: Hausarbeit oder MAP
- Lehrende/r: Regina Elsner
- Lehrende/r: Karla Fuhrmann
- Lehrende/r: Ricarda Vulpius