Ab der Wende zum 2. Jahrtausend veränderte sich die mittelalterliche Wirtschaft langsam, aber fundamental. Ernteerträge stiegen, Städte entstanden, Kaufleute handelten Luxusgüter wie Seide und Pfeffer, aber auch Alltagsprodukte wie Getreide und Wachs quer durch Europa. Kaufleute wie die Medici oder die Fugger entwickelten neue Formen der Handelsunternehmen, neue Finanzierungstechniken ließen Kreditmärkte entstehen. Über diese Prozesse, die unter dem Schlagwort der Kommerziellen Revolution zusammengefasst werden, wird in der Forschung viel diskutiert. Welche weiteren Revolutionen muss man beachten, die die Kommerzielle Revolution ermöglichten (wie die Feudale Revolution) oder von ihr angestoßen wurden (wie die Distributions-, die Fleiß- oder gar die Industrielle Revolution)? Eignet sich der Begriff „Revolution“ für ein jahrhundertelanges Phänomen? Wer profitierte von den Veränderungen, wem schadeten sie? Welche Rolle spielten Frauen und veränderte Geschlechterrollen? Begann mit den wirtschaftlichen Revolutionen des Mittelalters Europas Sonderweg, der die Armut auf dem Kontinent in der Neuzeit massiv reduzierte? Mit diesen Fragen werden wir uns in der Übung anhand hauptsächlich englischsprachiger Texte beschäftigen.
- Lehrende/r: Ulla Kypta