Viele wichtige Quellen für das 5. bis 9. Jahrhundert sind von Bischöfen verfasst oder haben ihre Lebensgeschichte zum Gegenstand – Sidonius Apollinaris, Avitus von Vienne, Remigius von Reims, Caesarius von Arles, Gregor von Tours, Venantius Fortunatus... Sie erklären den neuen Königen der gentilen Reiche, wie die römische Zivilisation funktioniert und warum sie und ihr barbarisches Gefolge jetzt bloß keine Arianer werden sollten, manchmal lassen sie auch Stadtmauern bauen und paktieren mit den Franken gegen die Visigoten (das befürchten zumindest die Visigoten), oder sie schreiben ‘10 Bücher Geschichte’, um die neue Merowingerherrschaft in den richtigen historischen Rahmen einzuordnen. Ihre Vorfahren waren einst römische Senatoren und bekleideten die höchsten Ämter im Staat ... doch unter den veränderten Bedingungen einer Zeit im Umbruch haben sich die Laufbahnen verändert: Die Bischöfe sind das, was bleibt, wenn das Imperium geht. Untereinander diskutieren sie heikle theologische Fragen wie etwa die Thesen des Pelagius über die Vereinbarkeit des freien Willens der Menschen mit der wirkmächtigen Gnade Gottes, sie stiften Klöster für Mönche und Nonnen und schreiben Regeln, damit das Zusammenleben darin gelingt, auf ihren Synoden legen sie die Grundlagen für das Kirchenrecht, die Ordnung der Liturgie und die Hierarchie der kirchlichen Ämter ... und wenn sie anschließend als Heilige verehrt werden, schreibt man eine ‘Vita’ über ihre Taten und Wunder. In diesem Hauptseminar werden wir ausgewählte Zeugnisse für die Geschichte Galliens im Frühmittelalter studieren, die von diesen Verhältnissen künden – Briefe, Chroniken, Gedichte, Canonessammlungen, Inschriften... im Vordergrund stehen sollen dabei die Form und Finalität der jeweiligen literarischen Gattung und die historische Kontextualisierung der verschiedenen Dokumente. Die hauptsächlich zu behandelnden Texte liegen in deutscher oder englischer Übersetzung vor.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein