In seinem seinem einflussreichen Aufsatz „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“, 1931 in Erkenntnis erschienen, vertritt Rudolf Carnap die provokante These, dass alle Metaphysik sinnlos sei. Diese Behauptung begründet er mit der Analyse der sprachlichen Struktur metaphysischer Aussagen, die nach seiner Auffassung zeigt, dass metaphysische Sätze sogenannte „Scheinsätze“ sind: Sie enthalten entweder Wörter ohne tatsächliche Bedeutung oder setzen bedeutungsvolle Wörter in syntaxwidriger Weise zusammen. Was aber versteht Carnap genau unter „Metaphysik“? Welches Verständnis von Philosophie und Wissenschaft liegt seiner Kritik zugrunde? Wie überzeugend sind seine Argumente – und können wir heute noch guten Gewissens Metaphysik betreiben? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Seminars. In einem ersten Teil werden wir durch Close Reading die zentralen Thesen und Argumente Carnaps rekonstruieren und kritisch diskutieren. Anschließend betrachten wir sie im weiteren philosophiegeschichtlichen Kontext: Durch ausgewählte Text werden wir die Entwicklung von Carnaps Denken, die Philosophie des Wiener Kreises sowie deren Wirkung auf aktuelle Debatten beleuchten. Ein Seminarplan mit Informationen zum Ablauf, zur Literatur sowie zu den Anforderungen für Studien- und Prüfungsleistungen wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No