Utopien wurde im Verlauf ihrer Erforschung sehr unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben. Für die einen sind sie Triebfedern gesellschaftlichen Fortschritts und der Emanzipation. Andere Utopieforscher*innen betonen hingegen, dass Vorstellungen eines idealen sozialen Zusammenlebens, sobald sie den Versuch unternehmen, aus dem Reich der Fantasie in die soziale Wirklichkeit überzugehen, das genaue Gegenteil bewirken können – nämlich Gewalt und Diktatur. Wiederum andere Ansätze verweisen darauf, dass Utopien in erster Linie eine reflexive, meist in fiktionaler Form gestaltete Ausdrucksweise des Möglichkeitsdenkens darstellen, die gar nicht auf Realisierung angelegt sind. Aus dieser Perspektive können sie der Unterhaltung dienen oder kritische Lern- und Bildungsprozesse bei ihren Leser*innen anregen. Die sozialwissenschaftliche Utopieforschung untersucht im Kern die Entstehung und den Wandel der Formen, Intentionen, Inhalte und Funktionen des utopischen Denkens bzw. Welterlebens. Im Seminar werden wir uns damit beschäftigen, wie verschiedene Forschungsansätze die Geschichte des utopischen Denkens bis in die Gegenwart rekonstruieren und welche Bedeutung sie Utopien für individuelle wie gesellschaftliche Entwicklungsprozesse zuschreiben.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026