In einer unscheinbaren Veröffentlichung des Jahres 1979 findet sich eine bedenkenswerte Beobachtung Carlo Ginzburgs: Das 1948 publizierte Werk des neapolitanischen Anthropologen Ernesto de Martino, Il mondo magico, gehöre zu einem kleinen, sehr heterogenen, gar seltsamen Korpus an „Büchern der Stunde Null“. Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges und der ungeheuerlichen Menschheitsverbrechen verfasst, war ihnen ein Nachdenken über das Ende der Welt und den „Zivilisationsbruch“ (Dan Diner) gemeinsam. Macht man sich auf die Suche, wird schnell ersichtlich, dass dieses Korpus keineswegs so klein ist, wie Ginzburg angenommen hatte. Im Gegenteil, die Einsicht, dass „Auschwitz“, aber auch „Hiroshima“ das Ende der oder zumindest einer Welt markierten, war in der Nachkriegszeit unter zahlreichen europäischen Intellektuellen verbreitet. Man denke etwa an Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Dialektik der Aufklärung oder Günther Anders Die Antiquiertheit des Menschen. Gleichzeitig forderten Intellektuelle aus dem globalen Süden wie Aimé Césaire das Ende kolonialer Herrschaft und machten auf den Widerspruch aufmerksam, der zwischen dem Selbstverständnis Europas als Hort der Zivilisation und dem Kolonialismus bestand. Das Seminar widmet sich diesen faszinierenden Büchern der Stunde Null und fragt, was sie zum Verständnis sowohl der langen Nachkriegszeit als auch unserer Gegenwart beizutragen vermögen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein