Traditionelle Konzepte der Weiblichkeit standen mit denjenigen der Fremdheit in engem Zusammenhang. Der Frau wurde auf der einen Seite die Rolle des sogenannten ‚eigenen‘ bzw. nahen Fremden, des ‚Anderen des Mannes‘ zugewiesen, auf der anderen Seite wurde sie mit fremden, unbekannten, möglicherweise gefährlichen und/oder zu erobernden Territorien assoziiert. Gleichzeitig verband man Weiblichkeit mit Sesshaftigkeit: Die Frau war nicht die Fremde, die kommt oder geht – sie war die Fremde, die bleibt oder – höchstens – folgt, und zwar einem Mann. (Fort-)Bewegung, Wanderung, freie und freigewählte Mobilität – das waren die Existenzmuster, die innerhalb dieser traditionellen Konzeptualisierung dem männlichen Geschlecht vorbehalten waren. Und das ist nur eine der Schnittstellen zwischen Gender und Migration, mit deren komplexer und vielschichtiger Wechsel- bzw. Zusammenwirkung wir uns in diesem komparatistisch konzipierten Seminar näher auseinandersetzen wollen – unter Berücksichtigung der entsprechenden theoretischen Grundlagen und Diskussionen. Eingangs sollen die Grundbegriffe und Grundthemen der Migration sowie der Migrationsliteratur diskutiert und in Zusammenhang mit Gender- und Weiblichkeitskonzeptionen gebracht werden. Anschließend werden literarische Texte weiblicher Migrationsautorinnen aus unterschiedlichen Sprachräumen von Anfang des 20. bis Anfang des 21. Jahrhunderts gelesen und mit Hinblick auf jene Zusammenwirkung von Gender und Migration analysiert.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026
ePortfolio: No