In diesem Seminar werden zentrale Themen der sozialen Erkenntnistheorie behandelt und der Frage nachgegangen, inwiefern unser Wissenserwerb sozial geprägt ist. In vielen alltäglichen Situationen können wir Wissen nicht allein durch unsere Sinneserfahrungen und Reflexion erlangen, sondern sind auf das Wissen anderer angewiesen. Wir fragen einen Freund um Rat, lesen Zeitungen oder besuchen eine Ärztin. Dabei stellt sich stets die Frage, welche Person am besten zu konsultieren ist, wer verlässliches Wissen besitzt und wer wahrhaftig antwortet. Schließlich gibt es auf jedem Gebiet zahlreiche mutmaßliche Expert:innen, die zudem nicht immer einer Meinung sind. Diese Situationen kennzeichnen ein Grundmerkmal moderner, arbeitsteilig organisierter Gesellschaften, in denen Wissen ungleich verteilt ist und Laien auf Expertise angewiesen sind. Wenn jedoch unklar ist, wer tatsächlich über verlässliches Wissen verfügt oder wenn konkurrierende Wissensansprüche und Informationsquellen schwer zu bewerten sind, geraten diese sozialen Wissensprozesse unter Druck. Vor diesem Hintergrund lassen sich Phänomene wie Desinformation, Vertrauensverlust in wissenschaftliche Expertise sowie die Entstehung von Echokammern und Filterblasen als Störungen sozialer Erkenntnispraktiken analysieren und verstehen.
- Lehrende/r: Alexander Flohr