Biblische Texte bedürfen der Auslegung, um in ihrer jeweiligen Gegenwart verstanden zu werden. Diese Auslegung geschieht nicht nur in wissenschaftlichen Kommentaren, sondern in ganz unterschiedlichen Medien. Besonders aussagekräftig sind dabei bildliche Ausdrucksformen, die in der europäischen Kultur eine lange und vielgestaltige Rezeptionsgeschichte geprägt haben. Bilder „übersetzen“ biblische Texte nicht einfach, sondern entfalten eigene theologische Aussagen – mit Farben, Linien, Formen und Räumen. Das Seminar nimmt diese Wechselbeziehung in den Blick: Was geschieht, wenn biblische Texte in den Raum der bildenden Kunst überführt werden? Welche Perspektiven, Interpretationen und Deutungsangebote entstehen dabei? Und wie verändern diese visuellen Auslegungen unser Verständnis der Texte? Im Seminar werden zum einen methodische Grundlagen zum Umgang mit biblischen Texten und mit bildender Kunst gelegt: Ausgewählte Textstellen aus beiden Testamenten werden exegetisch erschlossen und mit Fragen zu Kultur, Religion und Rezeption in der Kunst verknüpft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den kunsthistorischen Rezeptionen biblischer Motive in Museen der Region. An zwei Exkursionstagen (13. und 27. Juni 2026), deren Ziele mit dem Semesterticket erreichbar sind, werden wir Museen besuchen und bildliche Darstellungen analysieren, die biblische Szenen, Figuren oder Themen aufgreifen. Dabei sollen exemplarische Verbindungen zwischen Text und Bild sichtbar werden, ebenso wie historische und theologische Deutungsspielräume. Das Seminar richtet sich an Studierende, die Interesse daran haben, biblische Texte nicht nur exegetisch, sondern intermedial zu lesen und ihre Wirkungsgeschichte im Medium der Kunst zu erkunden. Ziel ist es, Analysen aus Exegese und Bildinterpretation miteinander zu verknüpfen und neue Perspektiven auf die „Lebendigkeit“ biblischer Überlieferung zu gewinnen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2026