Ein Krimi vorweg, Rom 1869 Der 58-jährige Franz Liszt nimmt 1869 in Rom eine gewisse Olga Janina als Schülerin an, sie ist 24, spielt ausgezeichnet und wild Klavier, benimmt sich aber exzentrisch und nicht wenig verrückt. In Wirklichkeit heißt sie Olga Zielínska und behauptet, eine Kosakin und Gräfin zu sein. Zu Liszts Klavierlektionen erscheint sie mit abgefüllten Portionen von Giften und Drogen und einem Revolver, was Liszts Umfeld, keineswegs aber ihn selbst, in Angst und Schrecken versetzt. Nicht lange dauert es, bis die sonderbare junge Dame ihren Meister vergöttert und geradezu krankhaft begehrt, jedoch ohne Erfolg. Einige Zeit später erhält Liszt, der in diesen Jahren abwechselnd in Weimar, Rom und Budapest weilt, ungebetenen, aber nicht unangekündigten Besuch: Am 25. 11. 1871 erscheint Olga in Budapest mit Giftfläschchen und Pistolen und dem Ziel, erst Liszt und dann sich selbst umzubringen. Liszt hatte nicht die Polizei eingeschaltet, lediglich zwei Bekannte gebeten, ab und zu mal bei ihm vorbeizuschauen, ob alles in Ordnung sei. Tatsächlich kamen diese beiden als sich die bedrohliche Szene abspielte, Liszt aber schicke sie nach Hause, er werde mit der Situation schon fertig. Und tatsächlich gelang es ihm, die hysterische Lady von ihrem Vorhaben abzubringen. Erst 1886 starb er eines natürlichen Todes. Franz Liszt (1811-1886) war eine der genialsten, aufsehenerregendsten, gefeiertsten und schließlich auch polarisierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. 1811 in die Zeit der beginnenden Romantik hineingeboren, wirkte er als Pianist, Komponist und durch seine vielfach bezeugte menschliche Großzügigkeit und Wärme als Vermittler, Fürsprecher und Förderer auf vielen Ebenen. Liszt ist für viele Pianisten der „Vater aller Dinge“. Die Allgemeinheit verbindet mit ihm den Komponisten des „Liebestraumes“ und Ungarischer Rhapsodien und den von Frauen umschwärmten effekthaschenden Virtuosen. Unbestritten sind seine bis dahin nicht gekannten klavieristischen Fähigkeiten und seine magische Ausstrahlung auf dem Podium. Neben Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Frédéric Chopin (1810-1849) und Robert Schumann (1810-1856) ist Liszt der bedeutendste Komponist romantischer Klaviermusik. Dass er ein schier unfassbar umfangreiches und vielseitiges Werk hinterließ, ist selbst Musik-Kennern heute kaum bekannt. In Anbetracht dessen muss man sich fragen, wann dieser Mann bei seinen vielen Aktivitäten und Reisen überhaupt mal zur Ruhe gekommen ist. „Zum Ausruhen haben wir die Ewigkeit.“ … Im Jubiläums-Jahr 2011 fielen Begriffe wie „Superstar des 19. Jahrhunderts“ oder „Lisztomania“ oft unreflektiert bzw. im Dienste des Marketings. Fotomontagen mit cooler Sonnenbrille rückten ihn absichtsvoll in die Nähe von Michael Jackson, dem „King of Pop“. Insbesondere auf dem Gebiet der „Sinfonischen Dichtung“ war Liszt in formaler und vor allem harmonischer Hinsicht zukunftsweisend und geriet in den großen musikästhetischen Parteienstreit „Neudeutsche“ (mit Wagner und Bruckner)gegen „Klassizisten“ (insbes. Brahms). Richard Wagner- sein späterer nur zwei Jahre jüngerer Schwiegersohn - hat sich so manches in der Orchesterbehandlung bei Liszt „abgekupfert“, ist aber in der Summe der noch genialere Klang-Magier. Wir werden uns in dem Seminar intensiv mit den Hauptwerken Liszts beschäftigen, dabei wird die reichhaltige Klavier- und Orchestermusik im Vordergrund stehen. Wer teilnehmen möchte, sollte sich mit Liszts Lebensweg vertraut machen und einige seiner Werke kennen. Im Seminar werden als Studienleistung Referate von den Teilnehmern - ein bis zwei Personen pro Sitzung - gehalten, bei denen ausführlich Klangbeispiele erwünscht sind, anschließend wird diskutiert und vom Seminarleiter ergänzt. Referatsthemen werden in der ersten Sitzung verteilt. Eigene Themenvorschläge können eingebracht werden. Eine vorläufige Themen-Liste wird früh im Learnweb abrufbar sein, wer sich schon vor der ersten Sitzung für ein Referats-Thema entschieden hat, kann mich per Mail informieren. Bei Referaten und ggf. Hausarbeiten kommt es mir darauf an, aus der gründlichen Kenntnis entsprechender Werke heraus zu argumentieren, zu vergleichen, durchaus auch zu ästhetischen Werturteilen zu kommen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein