Zwischen 1555/56 und 1700/14 gehörten die südlichen Niederlande – das heutige Belgien – zum Herrschaftsbereich der Könige von Spanien, die die Provinzen durch Statthalter regierten. Die hier aufscheinende Konstellation, dass ein Territorium durch eine auswärtige, ‚fremde‘ Macht teils über große Distanz hinweg regiert wurde, war in der Frühen Neuzeit recht verbreitet. Für die Kunstgeschichte ergibt sich daraus eine ganze Reihe wichtiger Fragen, die die Rolle der Künste bei der Vermittlung und Aushandlung von Herrschaft betreffen: Wie wurde die auswärtige Herrschaft in dem beherrschten Territorium repräsentiert? Welche Rolle spielte die Persönlichkeit der Statthalter? In welcher Weise gingen die Herrscher durch künstlerische und zeremonielle Inszenierungen auf die lokale Bevölkerung und die lokalen Akteure zu, um sie in ein Herrschaftsverhältnis einzubinden? Und nicht zuletzt: Welche Agenda verfolgten die Beherrschten vor Ort selbst, und wie vermittelten sie diese gegenüber der Herrschaft? Die Spanischen Niederlande sind in diesem Zusammenhang schon deswegen ein besonders interessanter Fall, weil den Künsten, vor allem der Malerei, hier ein besonderer, in ganz Europa berühmter Rang zukam; im Unterschied zu anderen xenokratischen Konstellationen strahlte in dieser Hinsicht denn auch eher die Provinz auf die Zentralmacht aus als umgekehrt. Antwerpen, das unbestrittene künstlerische (und bis zur Sperrung der Schelde ab 1587 auch ökonomische) Zentrum des Territoriums, in dem mit Peter Paul Rubens einer der bedeutendsten Künstler der Epoche wirkte, wird ebenso im Zentrum des Seminars und der anschließenden Exkursion stehen wie Brüssel als Residenzstadt der Statthalter.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein