In der deutschen Literatur des sog. Poetischen Realismus spielt das Verhältnis von Wirklichkeit und Kunst eine entscheidende Rolle: „Der wahren Kunst ist der Idealismus ebenso unentbehrlich als der Realismus: denn was ist alle Kunst selbst anders als die ideale Verklärung des Realen, die Aufnahme und Wiedergeburt der Wirklichkeit in dem ewig unvergänglichen Reiche des Schönen?“ (Prutz 1859). Wirkt im Realismus also vor allem die „verklärende“ Wirkung der Kunst oder trägt er vielmehr das Signum einer politischen Desillusionierung nach der gescheiterten 1848er Revolution und formt damit eine Epoche, die allen Utopien und romantischen Träumereien abschwört – und übrigens auch den Begriff der Realpolitik prägt? Diesem Riss zwischen Kunst und Realem, der sich nicht zuletzt am literarischen Umgang mit den Dingen manifestiert, wird das Seminar nachgehen: Ein Reales als unverständliche und sich verschließende Sphäre der (nützlichen wie unnützen) Dinge, deren Widerständigkeit und Inkommensurabilität eine durchrationalisierte Welt der Ordnung auch in Unordnung bringt, wird in Novellen und Romanen von Droste-Hülshoff, Keller, Stifter, Storm, Ebner-Eschenbach, Reuter und Fontane unser Thema sein. Literatur zur Vorbereitung: Sabina Becker: Bürgerlicher Realismus. Literatur und Kultur im bürgerlichen Zeitalter. Tübingen 2003.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein