Das Seminar setzt sich mit aktuellen Debatten der Soziologie und angrenzenden Disziplinen auseinander, in denen der „Mensch“ nicht länger als selbstverständlich gilt. Posthumanistische Ansätze stellen das humanistische Subjekt – autonom, souverän und im Zentrum der Welt – radikal infrage. Damit öffnen sich neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch, Technik, Natur und Gesellschaft. Im Mittelpunkt des Seminars stehen unterschiedliche klassisch gewordene und neuere Strömungen kritischer Gesellschaftstheorie, die diese „Erschütterungen des Menschen“ produktiv aufgreifen: von feministischen und postkolonialen Positionen über ökologische und techniksoziologische Ansätze bis hin zu gegenwärtigen Diskussionen um Affekte, Materialitäten und Nicht-Menschliches. Das Seminar bietet eine Einführung in zentrale Texte und Konzepte, lädt aber zugleich zu einer kritischen Reflexion ein: Welche politischen, ethischen und erkenntnistheoretischen Konsequenzen ergeben sich, wenn der Mensch nicht länger als Maß aller Dinge verstanden wird? Was ist, wenn er so sehr überwunden wird, dass er, wie im Transhumanismus, durch eine postbiologische, technologische Lebensform ersetzt werden soll? Welche Herausforderungen, aber auch welche neuen Denk- und Handlungsmöglichkeiten eröffnen sich für die Soziologie? Wie lässt sich angesichts posthumanistischer Bemühungen überhaupt noch vom Menschen sprechen? Wie lassen sich schließlich ein Begriff von Kritik und ein kritisches Denken im Anschluss an die möglichen kritisch-posthumanistischen Wege der Gesellschaftstheorie mit Blick auf gegenwärtige Phänomene entwickeln?
- Lehrende/r: Carsten Ohlrogge