Stimmt es wirklich, dass es nichts auf der Welt gibt, „was so unsichtbar wäre wie Denkmäler“ (Robert Musil)? Wenn dem so ist, warum werden Denkmäler und Erinnerungsorte dennoch immer wieder zu Kristallisationspunkten für Kontroversen, Proteste und öffentliches Gedenken? Sie werden gestürzt, instrumentalisiert, inszeniert oder errichtet: In ihnen verdichtet sich die Beschreibung von „Geschichte als Vergangenheitsdeutung, Gegenwartsverständnis und Zukunftsperspektive“ (Karl-Ernst Jeismann) und verdeutlicht, dass „ein Denkmäler weniger ein Ding als eine von Menschen ausgeübte Praxis der Inwertsetzung, der Zuschreibung von Wert und Bedeutung“ ist (Johanna Blokker). Ziel der Übung ist es, (1) den Geschichts- und Geschichtskulturbegriff theoretisch anhand von Konzepten zur Beschreibung und Analyse der geschichtskulturellen Phänomene zu schärfen, (2) unterschiedliche Perspektiven aus Denkmalpflege, Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik, Politik und Aktivismus im Umgang mit Erinnerungsorten zu diskutieren und (3) diese Konzepte praxisnah anhand ausgewählter Beispiele aus dem lokalen Raum in Münster zu analysieren, zu reflektieren und zu diskutieren. Damit stehen nicht nur die materiellen Manifestationen selbst, sondern auch die geschichtskulturellen Praktiken im Umgang mit ihnen im Zentrum der Übung, um damit den Blick auf ihr Potential für historisches Lernen zu vertiefen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2026
ePortfolio: Nein