Metaphysik ist das Fach, welches das Ganze der Wirklichkeit in den Blick nimmt. Dabei gilt es, das Endliche ebenso wie das Unendliche zu bedenken. Für die christliche Tradition ist Metaphysik immer mit der Frage nach Gott verbunden. Thomas von Aquin (1225-1274) entwickelt auf Basis der aristotelischen Philosophie und des christlichen Glaubens eine Metaphysik, die ganz auf den freien Gott als Schöpfer, Erhalter und Vollender der Welt und des Menschen zugeschnitten ist. Eine solche Synthese von Glaube und Vernunft wird im Lauf der folgenden Jahrhunderte angefragt. In der Moderne wird mehr und mehr zweifelhaft, ob solch starke Aussagen über Gott und die Welt philosophisch haltbar sind. Im 20. Jahrhundert hat Edith Stein (1891-1942) eine Vielzahl origineller und hochkarätiger Beiträge zur Philosophie geleistet. Ihr Ansatz ist phänomenologisch, d.h. sie geht vom menschlichen Subjekt aus, das sich in der Welt vorfindet und orientieren muss und sich so die Wirklichkeit erschließt. Diesen Ansatz verbindet sie in ihrem Werk „Endliches und ewiges Sein“ mit Grundzügen der thomistischen Metaphysik. Es ist der Versuch, unter den Bedingungen moderner Philosophie Gott und Subjekt auf neue Weise zusammenzudenken.
Diese Vorlesung behandelt die Philosophien von Thomas von Aquin und Edith Stein mit ihren jeweiligen Hintergründen und Bezügen. Sie spannt einen Bogen von der „klassischen“ zur „modernen“ Metaphysik. Zur Methode der Vorlesung gehören dabei auch intensive Arbeit an Primärtexten sowie Diskussionen in systematischer Absicht.
- Lehrende/r: Thomas Hanke