Christliche Judenfeindschaft hat viele Formen und viele Ursachen. Bereits von den Kirchenvätern wurden zentrale Texte und Konzepte aus dem Alten Testament, also aus dem gemeinsamen Textkorpus, das doch eigentlich Juden und Christen miteinander verbinden sollte, so gedeutet, dass das Judentum abgewertet wird oder gar als verworfen erscheint. Was das Judentum theologisch immer prägte und bis heute trägt – die Erwählung Israels, der Bund und Gottes Verheißungen – wurde seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert im Rahmen einer Substitutionstheologie exklusiv auf das Christentum. Diese Theologie bildet zusammen mit der These vom Gottesmord den Kern des christlichen Antijudaismus.
Das Seminar möchte typische antijüdische Muster in Auslegungen seit der frühen Kirche bis in die Gegenwart aufzeigen und auch für subtilere Spielarten sensibilisieren. Umgekehrt stellt sich die große Frage, wie eine christliche Exegese aussehen muss, wenn sie mit dem Konzil „das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe“ (NA 4) fördern soll.
- Lehrende/r: Ludger Hiepel
- Lehrende/r: Johannes Schnocks