Der wohl – im Hinblick auf den Hebr – am meisten zitierte Satz der neutestamentlichen Wissenschaft stammt von Franz Overbeck und lautet: „Der Hebr ist theologiegeschichtlich wie sein Melchisedek in 7,3 ἀπάτωρ, ἀμήτωρ, ἀγενεαλόγητος” (ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum). Meisterhaft fängt dieses Logion die Unvergleichbarkeit des theologischen Entwurfs des Hebr ein. Man könnte sogar nochmals weitergehen: Neben dem Corpus Paulinum und Iohanneum stellt der Hebr den dritten großen theologischen Entwurf des NT dar. In diesem erscheint Jesus Christus als der eigentliche Hohepriester, der mittels seines eigenen Blutes einmalig (ἐφάπαξ) und eschatologisch-endgültig Heil und Versöhnung schafft. Der Auctor ad Hebraeos geht dabei von der Grundannahme aus, eine kirchliche Krisensituation (Ermüdung der Glaubenspraxis) durch eine bessere Theologie überwinden zu helfen. Die Vorlesung im SoSe 2025 versucht, diese sehr besondere Theologie zu erschließen und für die aktuelle Krisensituation fruchtbar zu machen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2025